Heilpädagogisches Reiten im Odenwald

Für das Heilpädagogische Reiten lassen sich folgende Ziele formulieren:

  • die Wahrnehmung des eigenen Körpers
  • die Erfahrung der eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten
  • die Lockerung einzelner Körperteile und die weitgehende Entspannung des gesamten Körpers
  • die Balance und das (auch innere) Gleichgewicht gewinnen
  • die Schulung des Reaktionsvermögens
  • den Kontakt und die Nähe zu einem anderen Lebewesen wahrnehmen und genießen zu können
  • die Möglichkeit zu Regression und Nacherleben
    (sich tragen lassen, geführt werden, Wärme und Geborgenheit spüren)
  • Aufbau von Vertrauen zu sich selbst und anderen
  • Erkennen und Bewältigen von Angst

Die Reitgruppen:

Mit maximal 4 Kindern pro Nachmittag sind die Gruppen bewußt klein gehalten, damit jeder Reiter und jedes Pferd genug Aufmerksamkeit von der Reitpädagogin erhalten. Mit einem Anfangssalter von 6 Jahren ist auch den jüngeren pferdebegeisterten Kindern die Möglichkeit gegeben, ihre Passion auszuleben. Eine Gruppe bleibt so lange bestehen, wie ihre Mitglieder Interesse daran haben und die Stundenpläne der Schule dies zulassen. Anfänglich teilen sich die Kinder ein Pferd, unterstützen sich gegenseitig bei den anfallenden Tätigkeiten und wechseln sich beim Reiten ab. Die Fähigkeit, ein Pferd selbstständig auszurüsten, zu lenken und zu leiten ist der Wunsch der meisten Teilnehmer und stellt sich mit der Zeit bei fast allen Kindern ein.

Der Ablauf:

Der Ablauf der Nachmittage ist immer gleich, damit die Kinder und Jugendlichen in eine gewisse Routine kommen. Es erleichtert auch das “Einlernen” der neu dazugekommenen Reiter. Die Kinder kommen regelmäßig alle 14 Tage oder jede Woche am selben Wochentag zu ihrem Reitnachmittag. Dieser beginnt um 15.30 Uhr und endet um 17.30 Uhr (dienstags), bzw. 18 Uhr. Ein wichtiger Punkt im Umgang mit den Pferden sind die Goldenen Regeln. Jedes Kind behält “sein” Pferd über einen längeren Zeitraum, damit eine wirkliche Partnerschaft zustande kommen kann.


Nach der Begrüßung werden die Pferde gemeinsam aus dem Auslauf oder von der Weide geholt, geputzt und für das Reiten gerichtet. Jedes Pferd hat sein eigenes Putz- und Sattelzeug, das namentlich und auch farblich gekennzeichnet ist. Wenn alle Pferde und Reiter fertig ausgerüstet sind, beginnt das eigentliche Reiten in Form von Spaziergängen und Ausritten in die Umgebung. Hier werden die Wünsche und Fähigkeiten der Reiter sowie die Gegebenheiten des Tages berücksichtigt. Bei den fortgeschrittenen Reitern sind flotte Ausritte im Gelände möglich, bei denen die Pädagogin selbst mit reitet.

Die Kinder und Jugendlichen bringen die Pferde nach dem Reiten zurück zum Stall und erledigen das Absatteln, Aufräumen der Ausrüstung und Füttern weitgehend selbst. Im Winter wird noch gemeinsam der “Stalldienst”, das Abäppeln des Auslaufes und des Offenstalls, erledigt.


Ziele für die Arbeit:

Nicht das Reitenlernen im sportlichen Sinne steht bei den Reitnachmittagen im Vordergrund; vielmehr soll das Pferd mit allen Körpersinnen erlebt und erfahren werden. Das Pferd ist nicht Sportgerät, das nur zum Tragen der Reiter da ist. Es wird als Lebewesen erfahren, das viel Pflege und Umsorgung braucht. Oftmals werden dazu ein hoher körperlicher Einsatz und Kraft gefordert. Der Wunsch nach einem eigenen Pferd wird hier häufig auf ein realistisches Maß reduziert. Der Umgang mit dem Pferd und das Reiten basieren auf gegenseitiger Achtung, Wertschätzung, Harmonie und Entspannung.

Bei den Reitnachmittagen ergibt sich für die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, in ihrem individuellen Tempo, den Umgang mit und auf dem Pferd zu erlernen. Eine größtmögliche Selbstständigkeit wird hierbei angestrebt. Nach einer Zeit des “Geführt werdens”, nehmen die Kinder die Zügel selbst in die Hand und reiten ihren eigenen Weg. Das Pferd ist hierbei Partner und Lehrer. Die Kinder lernen sich einzufühlen, anzupassen aber auch ihre Wünsche klar zu äußern und sich durchzusetzen. Die Reaktion des Pferdes erübrigt jede pädagogische Einmischung. Der Reitpädagoge ist lediglich Übersetzer und Berater.

Das Reiten hilft den Kindern und Jugendlichen eine gesunde Aufrichtung und eine positive Körperspannung aufzubauen. Die Erlebnisse bei den Nachmittagen können dazu beitragen, dass die Kinder und Jugendlichen ein Selbstwertgefühl ohne Arroganz und ein Durchsetzungsvermögen ohne Egoismus entwickeln.


Kosten für die Reitnachmittage

Nach einer kostenlosen Schnupperstunde, können die Kinder verbindlich für die Reitnachmittage angemeldet werden. Bitte füllen Sie dazu den Elternbrief aus und geben ihn Ihrem Kind am ersten Reitnachmittag mit. Bei 14 tägigem Rythmus kommen die Kinder entweder in der geraden oder ungeraden Kalenderwoche zum Reiten - diese zu beachten und einzuhalten ist Aufgabe der Eltern! Die Haltung, qualifizierte Ausbildung und Versicherung von Pferden ist teuer und macht keine Ferien - daher werden die Beiträge monatlich erhoben und das ganze Jahr hindurch bezahlt. Die reitfreien Tage sind dem Beitragsblatt zu entnehmen. Eine Kündigung ist von beiden Seiten jederzeit zum Ende des laufenden Monats möglich, der Monatsbeitrag kann jedoch nicht zurückerstattet werden.

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